Klimaschutzkonzept

Klimanotstand – doch nicht in Stuttgart

Ein Brief von KUS an den Oberbürgermeister Fritz Kuhn:
„Das Klima- und Umweltbündnis Stuttgart ist einer der Unterstützer für die Ausrufung des Klimanotstandes in Stuttgart. Mit Unverständnis haben wir zur Kenntnis genommen, dass ein Antrag auf Ausrufung des Klimanotstandes zur letzten Gemeinderatssitzung nicht auf die Tagesordnung genommen worden ist. Auch für die kommende Gemeinderatssitzung steht der Beratungspunkt nicht auf der Agend.

Als erste Stadt in Deutschland hat Konstanz mit einem CDU- Bürgermeister den Klimanotstand ausgerufen, wie auch Kiel. Nachdem auch in Heidelberg, einer Stadt die in Sachen Stadtwerke, Energie und Umweltpolitik weit vor Stuttgart liegt, der Klimanotstand ausgerufen worden ist, ist für Stuttgarter Bürger schwer nachvollziehbar, warum dies der grüne Oberbürgermeister in Stuttgart blockiert. Es erschüttert auch die Glaubwürdigkeit Ihrer Rede vor den Fridays For Future – Teilnehmern vor dem Rathaus.“

Antwortschreiben vom 21. Mai 2019 von Fritz Kuhn an die 17 Stuttgarter Umweltgruppen


WELT-DOKUMENT: „Fridays for Future“-Aktivistin Greta Thunberg spricht bei EU-Kongress vom 21.02.2019


Interview mit dem Chefklimatologen der Munich Re

Klimawandel – Extrem langer Bremsweg“ von Klaus Köster, Stuttgarter Zeitung, 22.02.2019

Im Interview mit Ernst Rauch, Chefklimatologe der Munich Re, der weltgrößten Rückversicherung, zeigt sich die Dringlichkeit beim Klimawandel endlich zu handeln. Aber auch, dass bereits eine breite Mehrheit der Bevölkerung diesen Wandel unterstützt. Also gibt es keine Ausreden für die Politiker. Es ist höchste Zeit zu handeln!


Warum ist Klimaschutz so schwierig?

Eine Zusammenfassung zum Vortrag von Prof. Felix Ekardt im Stuttgarter Hospitalhof am 5. Dezember 2018.

Wir kennen die Auswirkungen: Dürre, Überschwemmungen, unbewohnbares Land, Massenmigration, Kriege, Armut, Tod. Trotzdem scheint der Klimawandel kaum ein Thema. Wir handeln als gäbe es kein Morgen. Die große Emotionalität – geschweige denn eine Aufbruchsstimmung – ist nicht da. Warum?

Prof. Felix Ekardt ist ein Mann der Tat. Er hat die Bundesregierung vor wenigen Wochen vor dem Bundesverfassungsgericht verklagt. Denn zusammen mit einigen Mitklägern ist Ekardt überzeugt: Deutschland verstößt gegen Grundrechte wie den Schutz von Leben, Gesundheit und Eigentum. Seine Argumentation: Die Klimapolitik Deutschlands reicht nicht aus, um das Klima ausreichend zu schützen.

„In zwei Jahrzehnten müssen wir auf null sein“

Ekardt ist Jura-Professor, Soziologe und Philosoph. Er hat die Forschungsstelle Nachhaltigkeit und Klimagerechtigkeit in Leipzig und Berlin gegründet. „In zwei Jahrzehnten müssen wir auf null sein“, so liest er den völkerrechtlich verbindlichen Teil des Pariser Klimavertrags von 2015. Das heißt, Öl, Gas und Kohle müssen in absehbarer Zeit in der Erde bleiben. Kein Autofahren mit Benzin und Diesel mehr, kein Strom aus Kohle, kein Fliegen mit Kerosin und auch keine Kunststoffe auf Erdölbasis mehr.

Das würde ein Umkrempeln der gesamten Wirtschaft bedeuten. Das weiß auch Prof. Ekardt. Doch b.a.u. wäre teurer, so Ekardt. Denn wenn wir so weitermachen würden wie bisher („business as usual“) hieße das: explodierende Folgekosten in fast allen Bereichen (Ernährung, Gesundheit, Versicherung, Städtebau, ganz abgesehen von Migration und Kriegen).

Mit Hochgeschwindigkeit durch ein komplexes Thema

Für seinen Vortrag und die anschließende Diskussion im Hospitalhof in Stuttgart hat er eineinhalb Stunden. Dann muss er auf seinen Zug nach Frankfurt. Um möglichst viel ansprechend zu können, redet er schnell. Kaum hat jemand aus dem Publikum angefangen eine Frage zu formulieren, winkt er ab, sagt „Frage verstanden“, antwortet, um die nächste Person dranzunehmen.

Sich nicht in Details verlieren

Von Überlegungen wie „in Kantinen müssten bessere Köche bessere vegetarische Gerichten anbieten“, hält Ekardt wenig. Das sei ein Detail, „zu klein, um sich darin zu verstricken“, auch die Kompensation von Urlaubsflügen sei keine Lösung. Prof. Ekardt tickt in größeren Zusammenhängen. Fleisch sei so klimaschädlich, dass es so sehr verknappt werden müsse, dass es gar nicht anders kommen könne, als dass sich jeder Koch mehr Gedanken um vegetarische Gerichte machen müsse. Und statt „Luxuskompensationen“ müssten wir das kompensieren, was wir auch in Zukunft nicht auf null brächten, zum Beispiel Spezialkunststoffe.

Auch die deutsche „Energiewende“ kritisiert er: „Der Strombereich ist Pillepalle.“ Die wirklichen Herausforderungen sieht Ekardt in den Bereichen Verkehr, Industrie, Landwirtschaft und Heizung. Er weiß aber auch: Der Ausbau der Wind- und Solarstromanlagen ist weit unter seinem Potential, der Ausstieg aus der Braunkohle kommt nicht richtig voran.

Bequem und stark im Verdrängen

Und da ist die menschliche Psyche. Reden und handeln gehe oft diametral auseinander. Den meisten Menschen sei der Schutz der Umwelt erst einmal wichtig. Sie wollten, dass ihre Kinder in einer einigermaßen intakten Welt aufwachsen. Trotzdem würden sie ins Flugzeug steigen, häufig Fleisch essen und Waren kaufen, die sie nicht unbedingt brauchen. „Wir kommen aus dem Tierreich“, sagt dazu Ekardt. Wir dächten zuerst an uns, an den Eigennutzen im hier und jetzt. Wir hätten es nicht gelernt, an Menschen, die wir nicht kennenlernen und die in 50 Jahren leben werden, zu denken. Stattdessen seien wir bequem und stark im Verdrängen. Im Finden von Ausreden und vermeintlichen Sachzwänge sind wir hingegen groß, so Ekardt weiter: „Es regnet, da bring ich die Tochter schnell mit dem Auto zur Klavierstunde.“

Ekardt spricht von „Normalitätsvorstellungen“: Andere machen Fernreisen, also ist es normal mit dem Flugzeug in den Urlaub zu reisen. Der Nachbar hat ein großes Auto, also brauche ich auch eins.

Grün fühlen reicht nicht

Gerade gut informierte und sich selbst als umweltbewusst ansehende Menschen haben einen besonders großen ökologischen Fußabdruck. Der Grund: Sie haben mehr Geld, fliegen entsprechend häufiger in den Urlaub, leisten sich mehr Waren, die produziert und entsorgt werden müssen. Ekardts Fazit: „grün fühlen reicht nicht“. Aus „verbalen Vorreitern“ müssten „reale Vorreiter“ werden.

„Sollen die Amerikaner doch erst einmal mehr Energie sparen.“ Oder: „Der Kapitalismus hat uns doch so gemacht.“ – Zu den menschlichen Eigenschaften gehöre es auch, auf andere zu zeigen, um selbst nicht handeln zu müssen, sagt Prof. Ekardt und hält dem entgegen: „Wir sitzen alle im selben Boot.“ Das aufeinander Zeigen bringe nichts. Kein Henne-Ei-Spiel. „Wir müssen uns den Klimaschutz erkämpfen.“

Das wird nicht einfach. Denn das allgemeine Credo sei nach wie vor das unbedingte wirtschaftliche Wachstum. Darauf baut nicht zuletzt auch unser Arbeits- und Rentensystem auf. Das leben wir den Schwellen- und Entwicklungsländern vor und das übernehmen diese auch.

Es braucht keinen Konsens, aber Mehrheiten

Ein weiteres Problem beim Klimaschutz: Die Erfolge sind meist nicht unmittelbar zu sehen. Ekardt verzichtet seit 25 Jahren auf Fleisch. Trotzdem nimmt die Erderwärmung ungebremst zu. „Das kann demotivieren.“

Prof. Ekardt selbst lässt sich nicht demotivieren. Am Ende des Vortragsabends spricht er noch schneller. Seine Botschaft: Wir können uns und unsere Vorstellungen verändern. Wir brauchen keinen Konsens, aber Mehrheiten brauchen wir. Wir haben die Zukunft unserer Erde in der Hand, wir können sie verzocken oder uns für sie entscheiden. Dabei sollte uns bewusst sein: Das ist kein Monopoly.


Monitoring-Kurzbericht 2017 IEKK

Klimaschutzgesetz Integriertes Energie- und Klimaschutzkonzept Baden-Württemberg Stand Juli 2018


Klimawandel zum Anfassen – Klimaschutz zum Anpacken

Prägnante und fundierte Informationen über Klimawandel und Klimaschutz vom KUS-Koordinator Dieter Bareis – klimaausstellung.de.
Sie können eine Broschüre zum Thema herunterladen oder bestellen und die Wanderausstellung kostenlos buchen.


Forderungen zum Haushalt der Stadt 2018-2019

Es besteht dringender Handlungsbedarf, wenn Stuttgart noch die versprochenen langfristigen Klimaziele erreichen will. Für die Sektoren Verkehr, Energie und Klimaanpassung hat das Klima- und Umweltbündnis Stuttgart eine Reihe von Forderungen für den Doppelhaushalt 2018-2019 aufgestellt.


Die Anstrengungen der Klimaschutzpolitik in Stuttgart müssen deutlich intensiviert werden

Notwendig dazu ist eine konzertierte Aktion aller  lokalen Akteure in unserer Stadt wie Stadtverwaltung, Gemeinderat, Bürgerinnen und Bürger, Umweltgruppen, Industrie-Unternehmen, Gewerbe, Forschung, Verbände, etc.

Deshalb empfiehlt das Klima- und Umweltbündnis Stuttgart die Gründung eines
STUTTGARTER KLIMASCHUTZ-VERBUNDES
ähnlich der  sehr erfolgreichen Münchner Einrichtung: „München für Klimaschutz“
Lesen Sie hierzu unseren Flyer: KLIMASCHUTZ-VERBUND STUTTGART und das Denkpapier von KUS vom 7. Mai 2012.


Langfristiges Klimaschutzkonzept der Stadt Stuttgart

Die Stadt Stuttgart arbeitet seit 1994 an Klimaschutzzielen. Zu Beginn wurden durch Gemeinderatsbeschlüsse und den Beitritt zum „Klimabündnis“ teilweise sehr weit reichende CO2-Reduktionsziele angestrebt, die bis zu minus 50 % gegenüber dem Jahr 1990 gingen. Die Realität sieht leider völlig anders aus: Bis zum Jahr 2005 wurde eine Senkung der CO2-Emmissionen um gerade mal 6 % erreicht. Alle Fortschreibungen der Klimaschutz-Programme änderten nichts an diesem bescheidenen Resultat für die Gesamtstadt.
Ein neuer Anlauf beginnt derzeit mit der Teilnahme am bundesweiten Wettbewerb „Stadt mit Energie-Effizienz“ (SEE), der die Stadt dazu verpflichtet, mindestens das Ziel Deutschlands, eine CO2-Reduzierung von 40 % bis zum Jahr 2020, zu erreichen.
Zur Untermauerung dieser Forderung nach einem Langfristkonzept hat das Wuppertal-Institut eine Studie für uns erarbeitet, die wir im Frühjahr 2009 der Stadt Stuttgart und dem Gemeinderat zur Verfügung stellten. In Gesprächen versuchen wir die Beauftragung des Wuppertal-Instituts mit einer Langfriststudie bis zum Jahr 2050 durchzusetzen.
Lesen Sie hier den KUS-Flyer: „KLIMASCHUTZ IN STUTTGART“
und VISION 2050 – CO2-FREIES STUTTGART